Was ist ein Fotomosaik?

Das historische Mosaik

Die Faszination des Mosaiks ist nicht gerade brandneu. Denn das Mosaik ist eine Kunst, die bereits seit dem Altertum bekannt ist. Aus kleinen bunten Steinen oder Glasstücken wird ein Bild zusammengefügt. So entstanden berühmte Kunstwerke bereits in Palästen und Villen des Altertums. Noch heute ist unser Bild von Mosaiken von diesen Abbildungen antiker Arbeiten geprägt.

Über die Jahrhunderte hat sich diese Kulturtechnik erhalten und war für die optische Ausgestaltung repräsentativer Bauten in der Folge unterschiedlich bedeutungsvoll. In der Zeit der Renaissance und des Klassizismus stieg deren Bedeutung jeweils an. In diesen Epochen lag das klassische Altertum und dessen kunsthandwerkliche Ausgestaltung in Form des Mosaiks im Trend. Dennoch sind Mosaike heute noch in zahlreichen Repräsentationsbauten nahezu aller Epochen zu sehen.

Dem Mosaik als artverwandt gilt auch der Pointillismus, eine seinerzeit kontrovers diskutierte Stilrichtung der Malerei. Sie erlebte ihre Blütezeit am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert. Der Pointillismus ist heute vor allem durch die Gemälde von Paul Signac, Henri Edmond Delacroix oder Georges Seurat in der gegenwärtigen Kunstgeschichte präsent.

Funktionsweise eines Fotomosaiks
Faszination zweier Ebenen: Hauptmotiv und Einzelbilder eines Fotomosaiks
Klassische Mosaik aus dem Altertum
Mosaik aus dem Kaiserpalast in Konstantinopel 5./6. Jahrhundert

Das moderne Foto-Mosaik

Das moderne Foto Mosaik basiert auf derselben Idee: Auch hier entsteht aus vielen kleinen bunten Flächen ein großes Gesamtmotiv. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die „Mosaiksteinchen“ – also die Fotos – selbst auch wieder ein Motiv tragen. So entsteht der faszinierende Eindruck der zwei Bildebenen. Einerseits das Hauptmotiv, das den Gesamteindruck des Bildes bestimmt. Und dazu viele Hunderte bis Tausende von Einzelbildern. Es entsteht das „Bild aus Bildern“.

Die Kombination moderner Computertechnologie und digitaler Bildbearbeitung ermöglichte in den neunziger Jahren die Erstellung von Fotomosaiken am Computer. Diese Entwicklung fand überwiegend in den USA statt. Mehrere Amerikaner erheben heute den Anspruch für sich, das Fotomosaik erfunden zu haben.

Eine herausragende Rolle in der Entwicklung der Fotomosaike spielt in jedem Fall der Amerikaner Robert Silvers. Der damals 27-jährige entwickelte 1995 am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge einen Algorithmus, der die optimale Anordnung einer großen Anzahl von Fotodateien zu einem Gesamtmotiv ermöglichte. Diese Technologie wurde in zahlreichen Ländern zugunsten des Erfinders patentiert.

Robert Silvers war in der Folge als Foto-Mosaik-Artist tätig. Zu seinen Werken gehören sowohl die Portraits berühmter Personen wie Marylin Monroe, aber auch die künstlerische Bearbeitung klassischer Gemälde. Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder Botticellis „Die Geburt der Venus“ wurden vom Künstler auf diese Weise neu interpretiert.

Welche Foto Mosaik-Varianten gibt es?

Heute gibt es zahlreiche Methoden, Fotomosaike zu erstellen. Jedoch haben sich nur wenige Ansätze durchgesetzt. Eine komplexe Anordnung der Einzelbilder wird von den meisten Betrachtern als attraktiv empfunden. So verstärkt sich der Eindruck, dass aus einer scheinbar chaotischen Struktur ein exaktes Hauptmotiv entsteht. Die Faszination von Fotomosaiken basiert unter anderem auf diesem vermeintlichen Widerspruch.

Das Mosaik aus hoch- und querformatigen Bildern setzt sich durch. Es bedient zum einen das Bedürfnis nach Komplexität und spiegelt gleichzeitig die reale Ausgangslage bei der Erstellung wider. Denn die Fotografien liegen häufig in einem Mix aus Hoch- und Querformat vor.

Liegen nur Querformat-Fotos vor, wird ein Mosaik aus linearen Bildkacheln erstellt. Grundsätzlich können die Fotos auf unterschiedliche Weise angeordnet werden:

Fotomosaik "Das Mädchen mit dem Perlenohrring"
Der Künstler Robert Silvers interpretiert mit seiner Mosaiktechnik auch klassische Gemälde neu
Mosaikraster in Hexagonalform
Mosaik aus Hexagonalfeldern
Mosaik Bildraster in horizontal
Mosaik aus Bildkacheln
Mosaikraster horizontal in Backsteinmuster
Mosaik aus versetzten Bildkacheln
Mosaikraster in Hoch- und Querformat
Mosaik aus hoch- und querformatigen Bildern

Wie entsteht das Gesamtbild im Mosaik?

Heute werden vor allem drei Varianten genutzt, um aus einem Fotomosaik ein Hauptbild zu erstellen:

  1. Die Einzelbilder erhalten einen Farbtonwert und werden zum Mosaik gesetzt. So wird das einzelne Foto wieder zum antiken Farbsteinchen. Es entsteht also ein klassisches Fliesenmosaik – jedoch aus Fotos. Diese Farbvarianten können auch aus einem einzigen Foto erstellt werden.
  2. Die Einzelbilder werden nach Farbtonübereinstimmung sortiert. Das Einzelbild mit der größten Farbtonübereinstimmung wird an der entsprechenden Stelle im Hauptmotiv platziert. Hierfür benötigt man eine sehr große Anzahl an Bildern, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Alternativ kann das Ergebnis verbessert werden, indem die Einzelbilder stark verkleinert werden.
  3. Die Einzelbilder werden partiell mit den Farben des Hauptmotivs eingefärbt. So erzielt man schon mit weniger als 100 Bildern ein gutes Ergebnis und das Hauptmotiv ist besser zu erkennen. Um die Bilderanzahl zu erhöhen, können Bilder gespiegelt, beschnitten oder gestreckt werden.

Kann man die Einzelbilder noch erkennen?

Die Größe der Einzelbilder ist ein wichtiger Faktor für die Detailtiefe des Hauptbildes. Je kleiner die Einzelbilder sind, desto detailreicher kann das Hauptmotiv abgebildet werden. Werden die Einzelbilder klein abgebildet, kann man deren Motiv schwer erkennen. Deshalb haben sich in der Praxis Raster zwischen 1 cm und 3 cm auf Ausgabegröße etabliert.

Boot als Fotomosaik
Mosaikvariante 3: Hunderte Reisefotos sind zu einem Boot zusammengefügt
Fotomosaik mit großen Bildern
Schema eines Mosaiks mit großem Bildraster

Große Einzelbilder

Die Verwendung großer Einzelbilder macht das Hauptmotiv unruhiger. Die Motive der Einzelbilder sind zwar gut zu erkennen – sie lenken jedoch vom Hauptmotiv ab. Das gilt besonders für Einzelbilder mit starken Bildkonturen.



Fotomosaik mit sehr kleinen Bildern
Schema eines Mosaiks mit kleinem Bildraster

Kleine Einzelbilder

Die kleinen Einzelbilder ergeben durch die Summe und der geringen Detailtiefe ein homogeneres Hauptbild. Auf Grund der kleinen Größe der Einzelbilder sind deren Motive jedoch deutlich schwerer zu erkennen.

Wie viele Einzelbilder hat ein Mosaik?

Die Anzahl der abgebildeten Einzelbilder ist von entscheidender Bedeutung für das Gesamtbild des Mosaik. Die optische Wirkung hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Die Ausgabegröße der zu erstellenden Datei
  2. Die festgelegte Größe der Einzelbilder

Je nach Einstellung dieser Faktoren variiert der Gesamteindruck des Fotomosaiks erheblich. Nur eine Balance der beiden Werte führt zu einem optimalen Bild Gesamteindruck. Hierbei gelten folgende Zusammenhänge:

Bemaßung eines Mosaiks
Ein Mosaik in 20 x 15 cm aus 100 Einzelbildern à 2 cm x 1,5 cm

Mosaike werden heutzutage als Wandbilder konzipiert. Deshalb liegt das Ausgabeformat in der Regel bei 90 cm x 60 cm oder höher. Je größer das Ausgabeformat, desto mehr Einzelbilder sind auf dem Mosaik zu sehen.

Bei einer Einzelbildgröße von 2 Zentimeter in der Breite und 1,5 Zentimeter in der Höhe ergeben sich für ein Ausgabeformat von 20 x 15 Zentimeter die dargestellten Werte. Typische Wandbilder sind liegen jedoch im Bereich 90 x 60 cm.

Anzahl der Einzelbilder bei unterschiedlichen Ausgabeformaten

Ausgabeformat in cm Anzahl Einzelbilder
30 x 20 (ca. DIN A4) 210 Bilder
40 x 30 (ca. DIN A3) 400 Bilder
60 x 40 (ca. DIN A2) 810 Bilder
80 x 60 (ca. DIN A1) 1600 Bilder
120 x 90 (ca. DIN A0) 3600 Bilder
160 x 120 (ca. DIN 2A0) 6400 Bilder

Sollen sich die Einzelbilder nicht wiederholen, wird die komplette Anzahl der Einzelbilder zur Erstellung des Mosaiks benötigt. In der Regel werden jedoch deutlich weniger Einzelbilder verwendet.

Dadurch kommt es zu Bildwiederholungen, die ebenfalls eine Faszination des Foto-Mosaiks ausmachen. Denn das Auffinden von Bildpaaren stellt eine beliebte Auseinandersetzung mit dem Mosaik dar. Dadurch entsteht eine Art von Memory-Spiel-Effekt. Bei großen Mosaiken mit mehreren tausend Bildern kommt es zu zahlreichen Wiederholungen

Stehen für ein Foto-Mosaik besonders wenig Fotos zur Verfügung, kann durch Bildmanipulationen die Bilderanzahl gesteigert werden. Hierzu werden Bilder gespiegelt oder Bildausschnitt erstellt. Dies steigert die Bilderanzahl und erhöht die gewünschte Vielfältigkeit im Bildaufbau.

Heutige Verwendung von Foto-Mosaiken

Obwohl die Erstellung von Fotomosaiken nun seit fast 20 Jahren eine bekannte und populäre Nische der Fotografie ist, hat diese nichts an ihrer Faszination verloren. Das Fotomosaik bietet die Möglichkeit, vielen Einzelfotos einen metaphorischen Rahmen im Motiv des Hauptbildes zu geben.

Wann immer eine große Anzahl an Fotografien entsteht, können diese durch ein Mosaik originell und beeindruckend zusammengefasst werden. Diese Stärke des Mosaiks wird heute für verschiedene Anlässe genutzt – und sehr häufig für:

Geburtstage, Jubiläen, Jahrestage, Hochzeiten

Feierliche Anlässe jeder Art werden genutzt, um ein Fotomosaik zu verschenken. Die Einzelbilder erzählen hier häufig vom Leben des/der Beschenkten, während als Hauptbild der oder die Beschenkten abgebildet ist/sind.

Urlaub, Reise, Event

Hier besticht das Fotomosaik mit seiner Fähigkeit, vielen fotografischen Eindrucken (Einzelbilder) einen Rahmen zu geben (Hauptbild). Gerade im Urlaub entsteht eine große Anzahl an Bilder, die so attraktiv Zusammengefasst werden können.

Baby, Kinder

Kindern widmen wir unsere fotografische Aufmerksamkeit in besonderer Weise. Deshalb existieren hier zumeist zahlreiche Fotos. Hier bietet das Mosaik die Chance, 2 Ansätze miteinander zu verbinden. Das Drucken der vielen Fotografien kann mit einem Großformat-Foto vom eigenen Kind kombiniert werden.

Künstlerische Adaption

Nach wie vor bietet das Foto-Mosaik viel Raum für die künstlerische Auseinandersetzung. Denn nach wie vor versinnbildlicht es den Zusammenhang der Wirkung im Großen aus der Summe seiner (kleinen) Teile.

Unternehmen

Auch Unternehmen nutzen Fotomosaike für ihre Kommunikation. Hier stehen 2 Anlässe im Vordergrund: Zum einen werden Fotomosaike genutzt, um Firmenevents oder Firmenfeiern zu dokumentieren. Der häufigere Anlass ist jedoch, die Mitarbeiter oder das Betätigungsfeld des Unternehmens abzubilden. Als Hauptbild wird hier zumeist das Logo verwendet.

Elefant als Fotomosaik
Elefant als Fotomosaik - Auf der Schwelle zwischen Kunst und Urlaubsreflektion